Wie wird die Grauer-Star-Operation durchgeführt?
Die Operation erfolgt heute mit der Phakoemulsifikation. Über zwei bis drei winzige Schnitte am Hornhautrand wird die getrübte Linse mit Ultraschall zerkleinert und abgesaugt. Anschließend wird eine faltbare Kunstlinse, deren Stärke vorab aus Ihren Messwerten berechnet wurde, in den natürlichen Kapselsack eingesetzt. Die kleinen Schnitte schließen sich meist ohne Naht.
Der Eingriff erfolgt unter betäubenden Augentropfen: Sie sind wach, sollten aber keine Schmerzen spüren – höchstens ein leichtes Berührungs- oder Druckgefühl. In erfahrenen Händen dauert er etwa 10–15 Minuten. Die laserunterstützte („Femto-“)Katarakt-OP bringt keinen zusätzlichen Nutzen, verlängert aber den Eingriff und erhöht die Kosten; deshalb wird die moderne Phako-Technik angewendet.
Wann ist eine Operation nötig?
Nicht jeder Graue Star muss sofort operiert werden. Der Zeitpunkt richtet sich danach, wie stark er Ihr Sehen und Ihren Alltag beeinträchtigt. Eine Operation wird meist geplant bei:
- deutlich verminderter Sehschärfe
- Schwierigkeiten beim Lesen
- schlechterem Sehen beim Autofahren, vor allem nachts
- zunehmender Blendung und Lichtstreuung
- Mühe beim Fernsehen oder beim Erkennen von Gesichtern
Wird die Operation zu lange hinausgezögert, verhärtet sich die Linse und der Eingriff wird schwieriger; in manchen Fällen kann zudem der Augeninnendruck steigen.
Linsenoptionen: monofokal, torisch, EDOF und trifokal
- Monofokale Linsen: scharfes Sehen in einer Entfernung (meist Ferne); für die Nähe wird eine Lesebrille benötigt.
- Torische Linsen: korrigieren zusätzlich eine Hornhautverkrümmung (Astigmatismus).
- EDOF-Linsen: gutes Sehen in Ferne und Zwischendistanz mit weniger Lichtstreuung bei Nacht; die Nähe wird teilweise unterstützt.
- Trifokale Linsen (Multifokallinsen): Ferne, Zwischendistanz und Nähe – die stärkste Option für das Lesen ohne Brille.
Multifokallinsen können den Brillenbedarf stark verringern oder aufheben, eine Brillenfreiheit in allen Entfernungen kann jedoch nicht für jeden garantiert werden. Entscheidend sind eine sorgfältige Patientenauswahl und der richtige Linsentyp.
Multifokallinsen ohne Grauen Star
Multifokallinsen werden auch bei Menschen ohne Grauen Star eingesetzt:
- ab etwa 45 Jahren, wenn das Sehen in der Nähe nachlässt (Alterssichtigkeit) und man weniger auf die Lesebrille angewiesen sein möchte
- bei hohen Brillenwerten, wenn man von der Brille unabhängig werden möchte (refraktiver Linsenaustausch)
Die Operationstechnik ist dieselbe wie bei der Grauer-Star-OP; der Unterschied liegt in der Linse und in der ausführlichen Planung vorab.
Die Untersuchung vor der Operation
Vor der Operation werden sowohl die Gesundheit Ihres Auges als auch die Stärke der neuen Linse bestimmt:
- Sehtest und aktuelle Brillenwerte
- Spaltlampenuntersuchung von Hornhaut, Iris und Linse
- Messung des Augeninnendrucks
- Untersuchung von Netzhaut und Sehnerv bei erweiterter Pupille
- optische Biometrie zur Berechnung der Linsenstärke (bei sehr dichtem Grauen Star Ultraschall-Biometrie)
- bei Bedarf Hornhauttopografie und OCT, z. B. bei Hornhautverkrümmung oder Multifokallinsen
Wenn Sie Kontaktlinsen tragen, setzen Sie diese für genaue Messungen vorher ab: weiche Linsen mindestens 1 Woche, harte Linsen mindestens 3 Wochen.
Operationstag und Heilungsverlauf
Nach der Operation ruhen Sie sich etwa 30 Minuten aus und gehen mit abgedecktem Auge am selben Tag nach Hause. Eine Stunde später nehmen Sie die Abdeckung ab und beginnen mit den Augentropfen – in den ersten 2–3 Tagen häufiger, danach seltener, meist für etwa einen Monat.
- Erste 1–2 Tage: leichtes Fremdkörpergefühl, Tränen, Lichtempfindlichkeit und etwas verschwommenes Sehen sind normal.
- Danach wird das Sehen zunehmend klarer; bei manchen Patienten dauert die Erholung durch eine vorübergehende Hornhautschwellung 1–2 Wochen länger.
- Reiben Sie nicht an den Augen und halten Sie sich vor allem in den ersten 10 Tagen in sauberer Umgebung auf.
- Bei Multifokallinsen braucht das Gehirn Zeit zur Gewöhnung (Neuroadaptation): Lichthöfe (Halos) um Lichter bei Nacht können einige Wochen bis Monate auffallen und nehmen meist ab.
- Etwa einen Monat nach der Operation werden die endgültigen Werte für Ferne und Nähe kontrolliert.
Können beide Augen am selben Tag operiert werden?
In der Regel werden die beiden Augen an verschiedenen Tagen operiert, damit das geringe Infektionsrisiko nicht an beiden Augen gleichzeitig eingegangen wird. In bestimmten Situationen – etwa bei sehr betagten Patienten, schweren Allgemeinerkrankungen oder großer Angst vor dem Operationssaal – können beide Augen am selben Tag operiert werden.
Risiken
Wie jede Operation ist auch die Grauer-Star- und Multifokallinsen-OP mit Risiken verbunden. Selten können Infektionen, Veränderungen des Augeninnendrucks, Netzhautprobleme oder eine Trübung der Linsenkapsel (Nachstar) auftreten; die meisten lassen sich bei den Kontrollen früh erkennen und behandeln. Ein Nachstar kann mit einem kurzen Lasereingriff behandelt werden. Sehr selten muss eine Linse ausgetauscht werden. Eine sorgfältige Untersuchung und ein erfahrener Operateur halten diese Risiken so gering wie möglich.
